WM am Kreischberg

Den verpatzten Saisonstart kenne ich ja schon aus dem letzten Jahr, aber es ist eindeutig mehr als doppelt schmerzhaft, wenn es sich beim Saisonstart auch noch direkt um die Weltmeisterschaften handelt. Aber alles von vorne…

Vor zehn Tagen reisten wir mit dem Auto in die Steiermark nach Österreich. Schon die Reise war mit Überraschungen versehen, doch überraschte es nicht weiter, dass es auch in der Steiermark nicht wirklich viel Schnee hatte. Wir wohnten in Appartements direkt beim Zielgelände und hatten einen eigenen Koch dabei (MERCI viu mau TINU!). Da fiel einem, dass sich „einleben“ natürlich leicht.
Am nächsten Tag stand das erste von zwei Trainings auf dem Programm. Mir gelangen zwei gute Trainings. Ich war von Beginn weg bereit, all das abzurufen, was ich mir in den letzten fünf Monaten erarbeitet hatte. Überraschenderweise war ich sogar im Stande, einen guten allerersten Trainingslauf zu zeigen. Normalerweise brauchte ich jeweils noch einen zweiten, schnelleren Besichtigungslauf um wirklich trainieren zu können. Die beiden Trainings verliefen relativ unspektakulär und vergingen wie im Fluge. Ich fühlte mich wohl auf dem Kurs und freute mich riesig auf den ersten Wettkampf in dieser Saison. Am Abend in der Videoanalyse erkannte ich jedoch, dass ich nicht allzu euphorisch sein sollte, was meine Trainings anbelangte. Durch ein neues System, bei welchem wir Athleten an beiden Beinen einen Transponder tragen, konnten die Trainer schon auf die Trainingszeiten zurückgreifen. Da stellte sich heraus, dass ich in meinen guten Trainings doch fast fünf Sekunden auf die Trainingsschnellste verlor. Ich musste also Gas geben, wenn ich die Quali schaffen wollte.

Letzten Donnerstag war es dann endlich soweit. Ich war schon am Morgen früh sehr nervös und freute mich wie ein kleines Kind. Im Verlaufe des Tages verflog die Nervosität immer wie mehr und ich konnte sehr gute Trainingsläufe zeigen. Dann zählte es endlich. Doch als ich im Startgate stand, war die Nervosität plötzlich ganz weg. Ich absolvierte einen Lauf, aber ich wusste schon unterwegs, dass dies, was ich da zeigte für nichts war. Ohne Fehler kam ich im Ziel an und doch leuchtete eine 07 Zeit auf, also nochmals zwei Sekunden langsamer als ich tags zuvor im Training war. Glücklicherweise war die Nervosität schlagartig zurück. Ich wusste ich musste mich für den zweiten Lauf um 200% steigern, wenn ich nicht schon in der Qualifikation scheitern wollte. 200% mehr, dass hiess ein weiteres Mal an die Grenze gehen und auf keinen Fall einen Fehler machen. Nach dem zweiten Lauf, leuchtete eine gut 1,5 Sekunden schnellere Zeit auf, welche mir im Schlussklassement der Qualifikation den zwölften Rang sicherte. Ich war zufrieden und wusste, dass ich am nächsten Tag noch mehr zeigen musste.
Das Training verlief wie gewohnt gut. Ich übte auch noch 3 mal die Perfektion meines Starts und der Startgerade. Plötzlich ging alles sehr schnell und innert kürzester Zeit stand ich mit meinen drei Gegnerinnen im Startgate. Ich war fokussiert und hatte genau die richtige Nervosität. Ich war bereit, dies sollte mein Tag werden. Das Startkommando ertönte, die Spannung stieg nochmals an. Dann klappte das Gate auf und das Rennen war lanciert. Leider erwischte ich schon das erste Element direkt nach dem Start nicht richtig. Dies kostete mich bis in die erste Kurve gute fünf Meter auf meine drei Gegnerinnen. Einen Bruchteil von einer Sekunde sah ich alles vor einem inneren Auge, wie ich mit grossem Abstand hinten nach in die erste Kurve einbog – das Rennen schien gelaufen. Doch meine Gegner machten die Rechnung ohne mich, ich wusste wie hart ich an mir gearbeitet hatte und auch das der Start immer noch nicht zu meinen Stärken gehört. Ich erwischt eine gute erste Bank, konnte extrem viel Tempo mitnehmen und war fähig schon in der zweiten Bank ein gelungenes Überholmanöver zu zeigen. Danach war ich in der Extrem schnellen Kurvenkombination wieder an der ersten und zweiten dran. Ich war mir bewusst, dass es reichen konnte auch mindestens eine dieser beiden noch abzufangen und hatte einen genauen Plan wie. Doch da war dieser fiese Schlag ausgangs vierte Bank, mit welchem ich schon in den morgendlichen Trainingsfahrten Bekanntschaft gemacht hatte. Er brachte mich nicht zu Fall, jedoch aus dem Rhythmus. Eine kleine Berührung mit einer meiner Gegenerinnnen, welcher ich eigentlich mittlerweile gewachsen sein sollte, brachte mich danach dermassen aus dem Konzept, dass ich in der Rollersection das Gleichgewicht verlor. Räääädääääädäääädääääämmmmm!!! Und aus war der Traum, von einem guten Ergebnis an der WM in Kreischberg. Mit einem leicht blutenden Gesicht, einem neuen, schmerzenden Ellenbogen und einem kaputten Herzen, durfte ich danach direkt in die Dopingkontrolle. Dies war so absolut nicht jene Premiere, welche ich mir erhofft hatte. Aber ändern konnte ich es auch nicht mehr…

Nun eine Woche danach, bin ich immer noch traurig, dass ich nicht das zeigen konnte, was ich eigentlich könnte. Aber ich erlebte durchaus auch positive Momente in Kreischberg und freue mich nun auf die endlich ins Rollen kommende Saison.
Diese Wochenende werden wir in Sedrun unsere Schweizermeisterschaften durchführen. Drückt mir die Daumen!

Bis bald, Sandra

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